WortGebrauch ist auch'ne Kunst

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HOLGER E. DUNCKEL - contemporary art affairs

Lyrik, Poesie, Gedichte wie Geschichte - nicht aus Not geschichtet – in Notwendigkeit am Sagen zur Niederschrift gelangt im Text. Wird ein jedes Wort erwartet, können alle Wörter ihren Platz in den Zeilen finden. Dazwischen gestalten sie sich ihren Sinn. Das Papier ist die Lichtung. Die Kritzel nur Schatten finsterer Selbstreflexion. Weltreflexion verweltlicht im Wort.

Gewerkel und Gebastel, mit voreiliger Hand in starrem Denken auf die Seite gebannt, verbannt den Geist aus dem Zeilengeflecht. Verbannt aus der Hand des Dichters erscheinen so zwar Bilder, die ob ihrer Gängigkeit erkannt werden – wie Kartoffeln und Kohl –, doch dichtet sich finster kein Reiz zu erfahren. Zu reisen in neuen Grund, auf ewigem Grunde geschichtet. Nicht gescheitert in der Reife als Kind, nur gescheiter und ganz heiter der Schatten bewusst.

So schreibe ich wenn ich nicht denken kann, den Erinnerungsflüssen folgend. Ihnen den Rücken zuwendend – in ihnen badend ... Wo wurde das noch gleich erwähnt? – Wo wähnte der Mensch sich bereits im Worte? – Schönes haben wir gelesen. Vieles wurde immer mehr. Doch gegen den Strom: Von Ozeanen in die Meere – die Flüsse – die Bäche – die Quellen – schreibt sich der Text noch ungesprochen zurück.

Erahnt nur – ganz nah wie ganz fern – mischt sich etwas mit einem Nichts; sich gegenseitig kontaminierend. Was bleibt ist die Schöpfung als Schöpfung – ein Potential als Werk im Werk aller Werke: Von Allen erduldet, gelebt und gestaltet. Sind wir ein Teil dieser Schöpfung, ist ein jedes Geschöpf wie Papier: Als weitere Folie sich lichtend. Den Schatten Platz bietend vorüberzuziehen. Zum Beispiel in einigen Versen.

Vielleicht auch nur in einem Wort, das als solches und an sich viel zu gewaltig wäre, um unbegleitet Wohl zu spenden. So kommen die milden Gaben unwideruflich und stets zu Hauf, wie viele Schwalben erst den Sommer künden – und erst im Luftverlust der Atem dir endgültig stockt.

WortVerkehr – Verkehr der Wörter. ZahlungsVerkehr – Verkehr der Zahlen. Hin und her und auf und ab. Flüchtige Schatten in den Lichtungen, wo zwischen ihnen Interpretationen oszillieren – als Öffnungen: Die Schatten zu verschlingen. Zu tilgen der Worte Kredit. Kredit zu geben und Schuld zu nehmen, zwischen Zeilen, in Versen und Sinn. WortVerkehr bringt ZuSpruch.

WortPlatz – Platz des Wortes. ParkPlatz – Platz des Parkes. Ruhezone der flinker Zungen müden Silben. Der ewiger Dienstleistungen überdrüssigen Anweisungen, Befehle und Lügen eine Oase der Sammlung zu neuen Sätzen seiend. Immer häufiger dem Stress der WortPlatzSuche unterschrieben, wo die Wortverkehrsdichte bereits bis in die Buchstaben drängt. Der WortPlatz redet vom VerSprechen.

WortStau – Stau der Worte. VerkehrsStau – Stau des Verkehrs. Wo zwingend ungewollte Ruhe den Fluss unterbricht, die Teile dem Ganzen verwehrt. Den ZuFluss, ZuSpruch, den Zusammenhang in Hoffen auf AbFluss, auf VerSpruch und Zusammenhanglosigkeit verkehrt, ohne von Wendung in der Not zu künden. Ist ein Ende des Staus in Sicht, fährt der Beobachter gerade auf ihn zu, oder er blickt auf ihn zurück – sich aus ihm lösend. Ein WortStau bündelt SprachPakete.

WortBeben – Beben im Wort. ErdBeben – Beben in der Erde. Einst freuten wir uns auch, zur Morgenstunde, wo stille die Werkstatt war am Feiertag – und die Blumen in der Stille, wohl blühten schöner auch sie und helle quillten lebendige Brunnen. Doch im Ringen zwischen KonText und AntiText – zwischen MitWelt und GegenWelt, haben die Pole ihre Unschuld verloren. Vielleicht hier Eindeutigkeit als Unschuld gedacht. Der protextuelle AntiText widerspricht dem kontratextuellen KonText. Eine proterrestre GegenWelt klagt die kontraterrestre MitWelt an. Da kann schon eine Silbe in jeweils pro- oder kontra-kohärenter Begleitung das Beben bereits in sich bergen. Im WortBeben kündet von Veränderungen.

WortBruch – Bruch des Wortes. SteinBruch – Bruch der Steine. Schaffen aus der Zerstörung. Wo Aufbau und Abbau Hand in Hand und von Mund zu Mund gehen, kann nur eine Beteiligung vieler vorausgesetzt – ein Potential multipler Identitäten vermutet werden. Der Bruch im Worte gibt NEUEM SINN die Chance, als guter Leim sich zu bewähren. Aus dem Trümmerfeld der Steine Bruch lassen BESTE BAUTEN sich gestalten. Erhabenes erhebt sich aus der Bruchstelle zwischen Erinnerung und Erwartung. Es ist der Bruch dem NEUE KRAFT entspringt um die in sich einige Erscheinung, wie ich mich wandelte, sich selbst zu wandeln. Im WortBruch öffnet sich der Zugang zur SprachGestalt.

Wohl sonstwo geboren, doch gerade hier aus der Spitze des Stiftes, erkritzelt sich auf des Blattes Lichtung die Zeile. Genau jetzt und in diesem Moment – später dann gelesen. Erlesen wie aus einer Vergessenheit, für den der es schrieb ganz genauso, wie für jenen der zwischen der Kritzel Schatten eine Lichtung zu schauen meint. Die gemeinsame Lichtung im Sein, auf welcher kryptisch manch’ Äusserung zu schatten scheint, doch ebenerdig die Innerung ruht.

HOLGER E. DUNCKEL - Sant Joan de Labritja, Juni 2007 

 

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 Copyright © 2008  [INTERLACEarts!]. Reservados todos los derechos. Revisado el: 05 de mayo de 2009.